Liebe Freunde des Gesangs, verehrte Gäste, ich freue mich mit meinen Sangesbrüdern, dass Sie mit uns gemeinsam dieses hohe Jubiläum unseres Vereins begehen. In verschiedener Weise sind Sie nun mit der Geschichte des Jubilars verbunden und sei es durch Ihre heutige Anwesenheit. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich und verbinden damit den Wunsch, dass Sie auch weiterhin entsprechend Ihrer jeweiligen Möglichkeiten unseren Verein unterstützen mögen. Liebe Jubiläumsgäste, im folgenden soll zum heutigen Anlass ein kurzer Überblick zur Geschichte unseres Chores, aus unserer Sicht und auf wesentliche Schwerpunkte beschränkt, gegeben werden. Unter welchen Bedingungen und Umständen wurde denn unser Chor ins Leben gerufen? Es waren die gesellschaftlichen Einflüsse der Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Verdienst der reformierten Kirche war es, damals durch die Kirchenchöre bereits das Privileg der oberen Gesellschaftsschichten gebrochen zu haben, nur diese an der aktiven und erlebenden Weise Anteil an der musikalischen Betätigung zu haben. Die gesellschaftlichen Bestrebungen dieser Zeit waren außerdem darauf gerichtet, möglichst große Teile der Bevölkerung an der reichen Deutschen Kultur zu beteiligen. So entstanden damals viele Turnvereine, Musikvereine und Gesangsvereine. Wie begann es? Für unseren Rodauer Chor haben dabei besonders zwei Persönlichkeiten dieser Zeit ihren Anteil daran, dass es in unserem kleinen Dorf zum gemeinschaftlichen Gesang von Männern aus allen Bevölkerungsschichten kam. Beide werden noch heute für ihre Verdienste von uns geehrt. Der eine war der Plauener Kantor Johann Friedrich Finke, der 1836 den "Vogtländischen Volksschullehrerverein" gründete und für die neue Gesangesbewegung von 1837 bis 1847 alljährliche Gesangesfeste organisierte und mit eigenen Werken die Chorliteratur bereicherte. Finke schuf damit die regionalen Bedingungen für die Gründung unseres Vereins. In Rodau selbst bestand die glückliche Tatsache, dass es mit Carl Gottlieb Grundmann, ebenfalls als damaliger Kantor, den Mann gab, der mit seiner Ausbildung der Bewegung von Finke so aufgeschlossen und nahe stand, dass er am 18. Oktober 1838 sangeswillige Männer im Wirtshaus um sich scharte und einen Gesangesverein gründete. Nun ging es darum, das damalige Liedgut zu prüfen, um es für einen Männerchor nutzbar zu machen. So entstand durch Grundmann handschriftlich auf Büttenpapier das erste Rodauer Liederbuch. Die einzelnen Stimmen wurden von den Sängern selbst ebenfalls handschriftlich für die einzelnen Stimmen vervielfältigt und sind in wenigen Exemplaren noch heute sorgsam gehütete Zeugnisse der Vereinsgründung. In einem steht der handschriftliche Vermerk über die Gründung mit o.g. Datum, welches wir als unsere Geburtsurkunde würdigen. Unser erstes Liederbuch und erste Auftritte sollten schon bald folgen. Es ist nicht überliefert, wie viele Sänger sich damals zusammenschlossen. Aber dass sie wie wir heute angestrengte Probenarbeit leisteten, belegt die Tatsache, dass unser Chor bereits ein Jahr nach Gründung am 3. Großen Gesangesfeste des Vogtländischen Volksschullehrervereins in Plauen teil nahm. Zum 4. dieser Feste 1840 schuf der Veranstalter, bereits erwähnter Kantor Finke, für den Rodauer Chor einen Rundgesang, dessen Refrain alle teilnehmenden Chöre mitsangen. Der Text lautet wie folgt: Auch Rodau erhebet mit mutiger Freude die Stimme und preiset die Festgeber heute. Hoch lebe ein jeder, der`s Singen noch lehrt und in dem Gesange das Lieben bewährt. Denn das Singen, ihr Brüder, das macht`s nicht allein, die Liebe bringt alles im schönsten Verein. Auch wir, ihr Brüder, wir können nicht schweigen und wollen die biedere Rechte euch reichen. Das Sprüchlein, dass ihr uns zum Gruße genannt, es gilt auch bei uns auf dem platten Land. Denn Gesang und Liebe im schönsten Verein, sie erhalten dem Leben den Jugendschein. Drum halten wir fest an dem Sängerbunde und schwören ihm Treue in heiliger Stunde und pflanzen des deutschen Sängers Wort zum Segen des Volkes mit Freuden fort. Denn Gesang und Liebe im schönsten Verein, sie erhalten dem Leben den Jugendschein. Diese Inhalte prägten fortan unser Vereinsleben und sind heute für uns so aktuell, wie vor 175 Jahren. In wie weit unser "Liederkranz", der zeitweilig auch den Namen "Liedertafel" trug, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die vogtländische Chorbewegung mitprägte, ist leider nicht mehr genau nach vollziehbar, da wichtige Zeitdokumente beim Gasthofbrand 1897 vernichtet wurden. Die Entwicklung unseres Vereins ist jedoch danach lückenlos nachvollziehbar und mit allen Aktivitäten aufgezeichnet. So bezeugen mehrere Protokollbücher und die Vereinschronik bis heute eine regelmäßige und aktive Tätigkeit, welche gekennzeichnet ist durch kontinuierliche Probentätigkeit, Jahreshauptversammlungen, stetige Teilnahmen an regionalen und überregionalen Sängertreffen, Stiftungsfesten und ein geselliges Vereinsleben. Unser Männerchor überlebte mit der deutschen Kleinstaaterei, dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, der Naziherrschaft und der DDR fünf verschiedene Gesellschaftsformen und traf nach der Wende wieder auf veränderte Existenzbedingungen, die sich leider auch nicht gerade förderlich auf den Verein auswirken. Es gilt jedoch wie zu jeder Zeit diese gesellschaftlichen Umstände für den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Vereins bestmöglich auszunutzen. Dem stellen wir uns so lange wie möglich. Denn es waren ja in all den zurückliegenden Jahren immer die Sangesbrüder mit ihrem Ziel, gemeinsam zu singen, die das 175 Jahre lang mit anderen Mitgliedern und ihren Familien ermöglichten. Zu den unvergessenen Höhepunkten zählten dabei sicher die jeweiligen Großen Feiern 1938, 1963 und 1988 zum 100., 125. und 150. Vereinsjubiläum, die im Dorf und für die gesamte Region zu kulturellen Mittelpunkten wurden, von denen man heute noch spricht und in deren Reihe sich unser heutiges 175. Jubiläumsfest bescheiden einfügt. Dazu zählen aber auch unzählige gesellige Veranstaltungen, die in ihrer Art mehr und mehr das gesamte Vereinsleben prägten und Traditionsveranstaltungen wie das jährliche Weihnachtssingen. Tiefen und Höhen macht wohl jeder Verein in seiner historischen Geschichte durch. Um die vielen Jahre als Verein und Gemeinschaft zu bestehen, hatten die Rodauer Sänger aber auch immer die richtigen engagierten Männer in ihren Vereinsvorstand gewählt, die mit großem persönlichen Einsatz die organisatorische Leitung übernahmen und den Verein durch schöne und erfolgreiche Jahre führten, aber den Fortbestand auch in schwerer Zeit zu sichern verstanden. Die schwersten Jahre waren zweifellos die beiden Weltkriege, die mit gefallenen Sangesbrüdern auch große Lücken in die Reihen unseres Chores riss und von 1915 bis 1918, bzw. 1944 bis 1947 zu Sängerpausen zwangen. In ihrer Folge ließen die Wirren und die Not nur sehr schwer ein geregeltes Vereinsleben zu, denn es gab in den Familien und im Dorf andere, wichtigere Aufgaben. Doch das Singen trug dazu bei, um das Leben zu normalisieren und den Menschen mit ihrer Ungewissheit in den Köpfen moralisch zu helfen. Einer der schwärzesten Tage in der langen Vereinsgeschichte nahm uns mit dem Tod Jürgen und Reiner Wolf unseren 2. Vorstand und unseren Liedermeister. Auch wenn es schwer fiel, haben wir in Ihrem Sinne den Männerchor "Liederkranz" weitergeführt. Unverhoffte Hilfe erhielten wir dabei von der Familie Büttner aus Plauen. Frau Marie Büttner gab sich als Ur- Ur- Enkelin unseres Vereinsgründers, des Kantors Grundmann, zu erkennen, die schon längere Zeit die Aktivitäten unseres Chores verfolgte. So bot sich ihr Ehemann, Herr Wolfgang Büttner, als Chorleiter an. Außerdem brachte er in den beiden Folgejahren unserem Sangesbruder Frank Koch das Rüstzeug zum Chorleiter bei. Die vielen schönen Erlebnisse in all den Jahren waren geprägt durch die feste Verbundenheit mit gleichgesinnten und befreundeten Chören. Einen besonderen Platz nehmen dabei die Sangesschwestern und -Brüder unseres Chorgemeinschaft ein. Diese entstand bereits in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts aus dem Bestreben der beteiligten Chöre heraus, möglichst eigenständig und unabhängig von der politischen Gängelei in der DDR, unser Liedgut auszuwählen und zu präsentieren. Als damalige Mitinitiatoren sind wir stolz, dass es in diesem Rahmen jährlich zwei Sängertreffen gibt, bei denen wir uns als Veranstalter abwechseln. Gegenwärtig gehören neben uns der Gemischte Chor Kobitzschwalde, der Männergesangverein "Harmonie" Syrau und der Männergesangverein "Elsterklang" Weischlitz zu diesem Kreis. Darüber hinaus pflegen wir brüderliche Beziehungen und Sangesfreundschaften zu vielen Chören im Vogtland, in Sachsen, Thüringen und Hessen. Mit dem Kirchenchor Rodau verbindet uns seit über 30 Jahren eine enge Verbindung durch das Singen und das Dorfleben, welche sich besonders jährlich zu gemeinsamen Auftritten in der Weihnachtszeit einem großen Publikum präsentiert. Einen hervorragenden Platz nimmt die überaus herzliche Sangesfreundschaft mit der "Sängerlust" 1882 Hahn aus Hessen ein, welche seit 1983 nun auch schon 30jähriges Jubiläum begeht und die seit dem Mauerfall als persönliche Freundschaft bis in unsere Sängerfamilien hinein die Deutsche Einheit wirklich lebt. All diese Beziehungen sind stets mit ihren Begegnungen und Kontakten Motivation und Ansporn unserer Existenz als Verein. Unsere Liedermeister haben dabei in hervorragender Weise große Verdienste am Bestand und Können unseres Chores. Stellvertretend sollen hier die genannt werden, welche zum Teil beträchtlich länger als 10 Jahre mit ihrem Wirken als Chorleiter das künstlerische Niveau unseres Chores prägten und sich gleichzeitig als Vereinsmitglied auch darüber hinaus engagierten. So waren es vor dem II. Weltkrieg Max Rahm und danach Georg Scheunert, die als Lehrer das Erbe von Kantor Grundmann annahmen. Ebenso Reiner Wolf und Frank Koch, welche unabhängig von ihren Berufen in ihrer Wirkungszeit das Niveau unseres Chores prägten. Unser Verein heute besteht aus 22 aktiven Sängern und 15 passiven Mitgliedern. Als 1.Liedermeister führt uns seit 2012 Matthias Gantke, der bei manchen Anlässen von Frank Koch vertreten wird, um möglichst allen Verpflichtungen nachkommen zu können. In ca. 45 Singstunden und etwa 15 weiteren Anlässen kommen statistisch wir im Durchschnitt auf eine gemeinsame Zusammenkunft pro Woche! Das ist alles Freizeit, die wir gerne für unser Hobby aufbringen. All diese Aktivitäten wären aber nicht möglich ohne die Unterstützung durch unsere Sängerfrauen, die als unsere größten Fans, aber auch härtesten Kritiker mit ihrem persönlichen Einsatz unser Vereinsleben erst möglich machen. Die breite Unterstützung, welche unser Verein im Ort, in der Gemeinde, durch Betriebe, Institutionen und die Öffentlichkeit, gerade auch in Vorbereitung und Durchführung unseres Festes spürt, ist für uns Anerkennung und Würdigung unserer Tätigkeit, aber auch Ansporn für die Zukunft unseres Vereins. Dafür unser herzlichster Dank. Zum Schluss bedanken wir uns ganz herzlich bei allen Unterstützern und Helfern, die in Vorbereitung und Durchführung unseres Festes beteiligt waren und sind für Ihre Bemühungen und ihren Einsatz. Der Männerchor "Liederkranz" wünscht all seinen Gästen einen angenehmen Aufenthalt und eine gute Zeit Wolfgang Bunzel 1. Vorstand
Festschrift zum 175. Jubiläum des MC "Liederkranz" 1838 Rodau
2013 Festschrift  175 Jahre   zum Download  pdf zum Download  pdf Bürgerpreis 180. Jubiläum